Zwei Bauerfeind-Experten erzählen im Interview, wie komplex das menschliche Kniegelenk aufgebaut ist, von typischen Knieverletzungen beim Wintersport und wie man sich schützen kann.

Ihr seid die Experten – erzählt doch bitte mal, was das Kniegelenk ausmacht.

Yvonne: Das Kniegelenk gehört zu den komplexesten Gelenken im menschlichen Körper. Es wird durch den Oberschenkelknochen, das Schienbein und das Wadenbein, genannt Femur, Tibia und Fibula, gebildet. Verbunden wird das Ganze durch das Hauptgelenk, das zwischen Ober- und Unterschenkelknochen sitzt. Dazwischen sitzt die Kniescheibe, die Patella, die wie eine Umlenkrolle wirkt. Stabilisiert wird das Kniegelenk durch die gelenkumgebende Muskulatur, durch Bänder und Sehnen. Eine große Rolle spielen hier die Kreuzbänder. Sie stabilisieren das Knie in der Beugung und sorgen dafür, dass Ober- und Unterschenkel nicht wegrutschen. Die Bänder sind generell wichtig für das Kniegelenk, und leider ist es so, dass jeder, der irgendwann mal einen Kreuzbandriss hatte, damit auch die Wahrscheinlichkeit für eine Arthrose im Kniegelenk erhöht.

Albrecht: Das Besondere an der Funktionsweise und den Bewegungen sind die fließenden Übergänge zwischen Roll- und Gleitbewegungen, daher auch die Bezeichnung Roll-Gleit-Gelenk. Die interessante Bewegung dabei ist das Nach-vorne-Gleiten des Oberschenkels auf dem Schienbein – das ist es, was die Biomechanik so komplex macht.

Wenn wir jetzt an Wintersport denken: Was muss ein Kniegelenk beim Skifahren oder Skitourengehen an Belastung aushalten?

Yvonne: Beim Skitourengehen und alpinen Skifahren ist der Fuß fest im Schuh. Und da der Schuh in der Skibindung steht, ist alles unterhalb des Knies fixiert. Die Beweglichkeit setzt somit erst im Kniegelenk ein. Das ist ein Risikofaktor, weil bei falschen Bewegungen relativ große Hebel auf das Kniegelenk wirken. Durch den Ski wird der Hebel nach oben verlängert, und damit sind die Kräfte, die auf das Knie wirken, immens hoch. Beim Skitourengehen ist dieses Verletzungsrisiko geringer. Es ist mit der Bewegung beim Treppenaufsteigen zu vergleichen. Die Oberschenkelmuskulatur spannt sich an, und damit drückt man sich nach oben.

Albrecht: Wenn wir bei dem Beispiel bleiben, nur umgekehrt, also Treppe runter, sind wir beim alpinen Skifahren: Generell wirken bei Bergab-Bewegungen viel größere Kräfte auf den Knorpel, die Menisken und Bänder. Beim Skifahren kommt dann noch eine erhöhte seitliche, die sogenannte laterale Belastung, hinzu. Das entsteht durch das Kurvenfahren auf der Kante des Skis. Genauso gilt das natürlich fürs Snowboarden. Durch hohe Geschwindigkeit steigt die Kantenbelastung und somit der Anpressdruck innerhalb des Knies. Wenn nun noch eine unerwartete Komponente dazukommt, ein Stein oder eine Eisfläche, und ich dann wegrutsche, spricht man von der Erhöhung der lateralen Belastung. Das Risiko eines Innen- oder Außenbandabrisses ist hier leider sehr hoch.

Gibt es beim Skifahren Situationen, die ihr als besonders gefährlich einstufen würdet?

Yvonne: Typisch für die Belastung im Knie bei Abfahrten ist Folgendes: Der Skifahrer befindet sich in einer permanenten Hocke, was bedeutet, dass der Oberschenkelmuskel durch die Anspannung ununterbrochen an der Sehne über der Kniescheibe zieht. Dadurch entsteht ein großer Druck, und wenn wir nun einen Skifahrer haben, der zum Beispiel Arthrose im Gelenk hat, also einen bereits abgenutzten Knorpel, dann kann dieser Druck nicht mehr optimal abgefangen werden.

Albrecht: Das ist definitiv einer der häufigsten Gründe für Knieprobleme beim alpinen Skifahren. Wenn ich jetzt an gefährliche Situationen beim Skifahren denke, fällt mir spontan die Knieverletzung ein – das meint eine Kombinationsverletzung des vorderen Kreuzbandes, des Innenbandes und des inneren Meniskus.

Unhappy Triad - Die unglückliche Triade

Wie passiert so eine Verletzung deiner Erfahrung nach am häufigsten?

Albrecht: Sehr oft ist so eine Verletzung die Folge einer Kollision. Das Gefährliche dabei ist, wenn bei leicht gebeugtem Knie ein Skifahrer einem anderen von hinten oder seitlich in das Knie fährt oder fällt. Dann drückt das Knie nach vorne weg, und dann kann diese äußerst unglückliche Verletzung eintreten.

Absolut empfehlenswert ist es, im Alltag Mini-Trainingseinheiten einzubauen, um das Knie und die gesamte Muskelkette fit zu halten. Dazu zählt zum Beispiel, die Treppe anstatt des Aufzugs zu nehmen.

Was kann man denn machen, um Verletzungen vorzubeugen?

Yvonne: Super in den Alltag lässt sich zum Beispiel integrieren, für eine Minute stabil auf einem Bein zu balancieren. Das nächste Level für diese Übung: einfach auf ein Kissen stellen, durch das Ausbalancieren wird das Training intensiver. Der Klassiker ist der Skisitz. Dazu lehnt man sich an eine Wand und nimmt eine Position ein, als würde man auf einem Stuhl sitzen. Diese Position sollte eine Minute gehalten werden. Auch hier gilt: Mit einem weichen Untergrund unter den Füßen verstärkt man die Übung. Profis können sich einen Gymnastikball zwischen Rücken und Wand klemmen und dann, wie bei der Skiabfahrt, nach rechts und links lehnen. Dadurch trainiert man noch zusätzlich die Rotationen im Knie. Um eine Kräftigung zu erzielen, sollte man täglich solche Übungen für jeweils eine Minute durchführen und sich auf bis zu sechs Wiederholungen steigern.

Und inwiefern kann eine Kniebandage helfen?

Albrecht: Der größte Ansatzpunkt der Kniebandage ist mit Sicherheit die sogenannte Wechselkompression. Das Gestrick der GenuTrain ist mit einer mittleren Kompressionsklasse ausgestattet. Aufgrund des anatomischen Flachgestricks liegt die Bandage sehr gut am Kniegelenk an. Die Bauweise und die Features der Bandage führen zu einer Stimulierung um das Kniegelenk herum. So wird die Eigenwahrnehmung des Gelenks verbessert, und die Muskulatur, die das Kniegelenk stabilisiert, kann bewusster angesteuert werden. Diese Bandage ist für diejenigen, die schon mal eine leichte Knieverletzung hatten, sehr zu empfehlen.

Yvonne: Die Knee Support ist ebenfalls empfehlenswert, um die Stabilität zu unterstützen. Sie gleicht im Prinzip der GenuTrain und ist auf den Sportler angepasst. Vom Gestrick her ist sie etwas luftiger und bereits präventiv einsetzbar.

Albrecht: Ansonsten sind natürlich, wenn wir über Wintersport reden, unsere Ski & Skate Insoles, spezielle Schuheinlagen für Wintersportler, eine tolle Sache. Diese Einlagen werden in den Skischuh eingepasst und wirken thermoregulierend, schützen also zudem vor kalten Füßen. Und wir wissen ja, die gesunde Haltung beginnt bei den Füßen.