Gesundheit ist nicht nur eine Sache körperlicher Fitness und Beweglichkeit. Auch die Ernährung trägt viel dazu bei. Ernährungsberaterin Mona Poulev erklärt, wie eine Umstellung gelingt.

Sich ausgewogen zu ernähren fällt vielen Menschen schwer. Gerade im stressigen Alltag ist der Griff zum Fast Food vermeintlich einfacher, als sich ein gesundes Gericht zuzubereiten. Dann wird nicht nur ungesund, sondern auch hastig und unregelmäßig gegessen. Dabei steigert eine ausgewogene Ernährung die Lebensqualität, erhöht die Fitness, kann beim Abnehmen helfen und ist insbesondere bei Erkrankungen wie Arthrose unverzichtbar. „Dennoch muss niemand Angst vor Verboten und Einschränkungen haben“, weiß die Ernährungsberaterin und Ernährungstherapeutin Mona Poulev. „Viel wichtiger ist, eine Balance zwischen verschiedenen Lebensmitteln zu finden.“

Ausgewogen ist gleich gesund

Die Basis der Ernährung besteht aus Gemüse und Obst. Sie sollten die Hälfte unserer Nahrungsmittel ausmachen. „Viele Studien belegen inzwischen, dass fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag eine gute Menge sind, um Erkrankungen vorzubeugen. Denn darin sind viele Schutzstoffe und Entzündungshemmer enthalten“, erklärt Poulev. Aber auch ausreichend zu trinken ist wichtig. Ein weiterer Entzündungshemmer sind die sogenannten Omega-3-Fettsäuren, die der Körper über Fisch und pflanzliche Öle wie Leinöl, Rapsöl oder Sojaöl aufnimmt. „Dieser Wirkstoff ist in Kombination mit basischen Lebensmitteln, wie etwa Obst und Gemüse, vor allem bei Gelenkerkrankungen wie Arthritis oder Arthrose essenziell.“ Mona Poulev empfiehlt zudem – soweit wie möglich – auf Bio-Lebensmittel zurückzugreifen: „Es ist erwiesen, dass biologisch angebautes Obst und Gemüse mehr Vitamine und Mineralien enthält als das aus konventioneller Produktion.“

Eine gesunde Ernährung minimiert das Risiko für Erkrankungen.

Risikofaktor ungesunde Ernährung

Ist die Ernährung nicht ausgewogen, äußert sich das meist zunächst durch Konzentrationsstörungen, Hautprobleme, Haarausfall oder eine Zunahme des Gewichts. „Gefährlich wird es, wenn man sich über Jahre hinweg ungesund ernährt. Dann erhöht sich das Risiko für Erkrankungen wie Fettleibigkeit oder Diabetes stark, aber auch für Krebs“, sagt Poulev. Verdauungsprobleme und Gelenkschmerzen seien ebenfalls häufig auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen.

Ursachenforschung statt Symptombekämpfung

Die Patienten von Mona Poulev haben öfter bereits erfolglos mehrere Diäten ausprobiert oder versucht, sich mithilfe des Internets selbst zu therapieren. „Das führt oft zu einer großen Unsicherheit und Frustration“, sagt Poulev. Ihr ist es wichtig, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern der Ursache einer Unverträglichkeit oder eines Ernährungsproblems auf den Grund zu gehen. „Oft hängt das nicht unbedingt nur mit der Ernährung zusammen, sondern hat auch psychische Auslöser.“

Deshalb beginnt sie eine Beratung oder Therapie immer mit einem ausführlichen Erstgespräch: „Ich stelle am Anfang sehr viele Fragen zu Essens- und Verhaltensgewohnheiten, zur körperlichen Fitness und eventuellen Vorerkrankungen. Das ist wichtig, um die Person gut auf ihrem Weg begleiten zu können.“ Anschließend lässt Poulev ihre Patienten eine Zielvereinbarung aufsetzen, in der sie festhalten, welche Ziele sie erreichen wollen und was sie bereit sind dafür zu tun. „Das erhöht die Motivation, auch wirklich an den Zielen festzuhalten“, sagt sie.

Es geht nicht darum, perfekt zu sein.

Schritt für Schritt zu einer gesunden Ernährung

„Zu einer gesunden Ernährung gehört jedoch mehr als die Zusammenstellung der Lebensmittel“, erklärt Poulev. „Es ist auch wichtig, wie oft und in welchem Gemütszustand man isst.“ So sind Verdauungsprobleme oft die Ursache von zu schnellem Essen. Auch die Uhrzeit sollte man beachten. „Abends ist unser Stoffwechsel nicht mehr so aktiv, das Essen wird schlechter verdaut“, erläutert sie. Zu viel Druck sollte man sich dennoch nicht machen: „Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Viel wichtiger ist es, sich bewusst zu werden, was man zu sich nimmt, und dann einen Anfang zu machen.“ Eine langfristige Ernährungsumstellung ist nämlich viel erfolgreicher, als die Ernährung von einem auf den anderen Tag radikal zu ändern. „Die meisten Diäten wirken nur kurzfristig. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man seine Gewohnheiten ändern“, erklärt Poulev. „Das geht nur Schritt für Schritt.“ Zum Anfang empfiehlt sie, mindestens eine Woche ein Ernährungstagebuch zu führen, um so herauszufinden, was und wie oft man isst. Dann sollte man mit einem Vorsatz starten – wie zum Beispiel mehr Wasser zu trinken –, und diesen mindestens 21 Tage lang umsetzen. Denn so lange dauert es in der Regel, bis etwas zur Gewohnheit wird. Auch die Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten fest in den eigenen Terminkalender einzuplanen kann helfen. „So gelingt es nach und nach, die Ernährung zu verbessern, ohne sich zu viel Stress zu machen“, sagt Poulev.

Eine Ernährungsumstellung hat oft nicht nur den positiven Effekt, dass die Kilos purzeln, die Haut strahlt oder man insgesamt gesünder ist. Viele Menschen sind danach selbstbewusster, fühlen sich wohl in ihrem Körper. „Viele meiner Patienten verändern sich im Laufe einer Therapie“, sagt Poulev. „Sie haben ihr Verhalten und ihre Denkweisen verändert, und das tut in der Regel einfach gut.“