Die richtige Ernährung ist ein wichtiger Baustein in der konservativen Therapie von Kniearthrose. Sie kann Patienten zu weniger Schmerzen, weniger Gewicht und mehr Beweglichkeit verhelfen. Im Beitrag erfährst du, warum Omega-3-Fettsäuren bei Gonarthrose förderlich sind und Arachidonsäure schädlich ist. Mit unserer Liste der empfehlenswerten und zu vermeidenden Lebensmittel kannst du im Anschluss ganz individuell deine Ernährungsgewohnheiten anpassen. Dein Arzt unterstützt dich gern dabei.

Für viele Deutsche ist eine Mahlzeit ohne Fleisch oder Wurst undenkbar. Hierzulande isst jeder Vierte täglich Fleisch. Für Gonarthrose-Patienten ist das hingegen keine gute Idee. Denn vor allem rotes Fleisch, wozu Schweine- und Rindfleisch zählen, enthält Arachidonsäure. Aus ihr entstehen im Körper Stoffe, die zu Entzündungen führen können. Studien haben gezeigt, dass Arthrose-Patienten, die auf Fleisch gänzlich verzichteten, weniger stark geschwollene Gelenke und Schmerzen hatten.

Bei der Prävention und der Behandlung einer Arthrose-Erkrankung spielt außer Gewicht und Ernährung vor allem das richtige Maß an Bewegung eine wichtige Rolle.


Prof. Dr. Stefan Sell
Ärztlicher Direktor Gelenkzentrum Schwarzwald

Welche Ernährung hilft bei Arthrose im Knie?

Wenig Fleisch, viel Gemüse, wenig Zucker, Fett in Maßen: Patienten sollten sich gesund und ausgewogen ernähren und auf Nahrungsmittel zurückgreifen, die Entzündungen hemmen. Dazu zählen etwa Leinöl und Walnussöl mit den darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. „Sie reduzieren nämlich den Abbau von Kollagenen im menschlichen Körper“, erklärt Professor Stefan Sell, Ärztlicher Direktor des Gelenkzentrums Schwarzwald. Kollagene sind Strukturproteine, die unter anderem in Knorpeln vorkommen und die es zu erhalten gilt, denn: Bei der Behandlung von Gonarthrose geht es vor allem darum, den fortschreitenden Gelenkverschleiß zu bremsen, der den Knorpel im Kniegelenk zu zerstören droht.

 

Also sollten Gonarthrose-Patienten Lebensmittel wie Lachs, Spinat oder Leinsamen bevorzugen und Fleisch wegen der Arachidonsäure vermeiden? „Auf jeden Fall. Denn auf diese Weise können Entzündungsprozesse im Körper verlangsamt werden“, erklärt Sell. Zugleich sollten Patienten mit Kniearthrose auf die Zufuhr von Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen achten. „Antioxidantien etwa sind am Kollagenstoffwechsel beteiligt und in Vitaminen C und E, gemischten Carotinoiden sowie in Citrus-Bioflavonoiden enthalten“, führt Sell aus. Diese Antioxidantien gelten als starke Radikalfänger. Freie Radikale werden teilweise vom Körper selbst gebildet – sie entstehen aber auch durch äußere Einflüsse wie Zigarettenrauch oder UV-Strahlung. Zu viele freie Radikale im Körper können Krankheiten wie Arthrose begünstigen.

Gesund essen, Gewicht verlieren und Knie entlasten

Ungesunde Inhaltsstoffe vermeiden, gewünschte aufnehmen, Übergewicht reduzieren – das sind die Ziele, die Gonarthrose-Patienten bei einer Ernährungsumstellung verfolgen sollten. „Und wer sich ausgewogen ernährt, verliert auch leichter Gewicht“, fasst Sell zusammen. Denn überschüssige Pfunde belasten die Gelenke zusätzlich. Wer hingegen sein Gewicht reduziert, nimmt Druck von den Gelenken, lindert den Schmerz und erleichtert die Bewegung. Diese ist eine bedeutende Therapiemaßnahme, um das Voranschreiten der Gelenkerkrankung zu bremsen.

Ernährung bei Arthrose: Was darf auf den Teller?

Eine Ernährungsumstellung ist für viele Patienten anfangs eine Herausforderung – schnell aber gehört eine ausgewogene und leichte Küche mit viel Obst und Gemüse für sie zum Alltag. Wir haben für Gonarthrose-Patienten einen Überblick über vorteilhafte und weniger vorteilhafte Lebensmittel erstellt. Angst vor Entbehrungen muss indes niemand haben. Wichtig ist, die Balance zwischen verschiedenen Lebensmitteln zu finden – und sich bei Unklarheiten auch Rat beim Arzt einzuholen.  Er kennt deine Krankengeschichte und kann dich bei Fragen rund um einen geeigneten Ernährungsplan unterstützen.

Lebensmittel bei Arthrose: Davon darf es mehr sein!

  • Gemüse: Artischocken, Fenchel, Gurken, Hülsenfrüchte, Knoblauch, Kohlarten, Kohlrabi, Lauch, Möhren, Pilze, Radieschen, Salat (vor allem Endivien, Chicorée, Rucola, Blätter von roter Bete), Sauerkraut, Sellerie, Spargel, Spinat, Zucchini, Zwiebeln
  • Obst: Generell alle zuckerarmen Obstsorten, wie Aprikosen, Beeren, Avocados. Seltener sind auch zuckerreiche Sorten wie Ananas, Bananen, Birnen, Honigmelone, Mangos, Süßkirschen oder Weintrauben in Ordnung.
  • Kräuter & Gewürze: Ingwer, Kresse, Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Muskat
  • Wurst & Fleisch: Putenbrustaufschnitt, Hühnerfleisch; seltener sind auch Corned Beef, Kalbfleisch, Rinderfilet und Wild erlaubt.
  • Fisch: Kaltwasserfische(Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Krabben, Makrele, Lachs, Sardine, Scholle)
  • Milch & Käse: fettarme Milch und fettarmer Naturjoghurt, Buttermilch, Speisequark bis 20% Fett, Harzer Käse und Hüttenkäse. Seltener kannst du auch Sahne, saure Sahne, Crème fraîche, Weichkäse, Feta, Mozzarella und Frischkäse zu dir nehmen.
  • Getreide, Brot & Beilagen: Haferflocken, Dinkel, Hirse, Vollkornbrot, Kartoffeln, Naturreis
  • Getränke: Wasser, Tee ohne Zucker, Kaffee ohne Milch

Wusstest du schon?

Ingwer unterdrückt die Bildung von Entzündungsstoffen. Das zumindest wurde für Ingwerextrakt nachgewiesen. Forscher fanden in einer Studie mit 250 Teilnehmern heraus, dass Extrakt ähnlich wie gängige Schmerzmittel wirkt. Für die Studie nahm die Hälfte der Probanden Ingwerkapseln ein, die andere bekam Kapseln ohne Ingwer – also ein Placebo. Das Ergebnis: Die Probanden, die Ingwerkapseln eingenommen hatten, brauchten weniger Schmerzmittel.

 

Diese Nahrungsmittel sollten für Arthrose-Patienten die Ausnahme bleiben

  • Obst: Trockenobst, Obstkonserven, Obstmus
  • Wurst & Fleisch: Schweinefleisch in jeglicher Form, paniertes Fleisch
  • Fisch: panierter Fisch
  • Milch & Käse: fettreiche Milcherzeugnisse und Fertigprodukte wie Fruchtjoghurt und Pudding
  • Getreide, Brot & Beilagen: Generell sind Produkte aus weißem Mehl zu vermeiden (wie etwa Weißbrot und Croissants);
    außerdem geschälter Reis, Pommes, Kroketten, Pfannkuchen, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer
  • Getränke: Sojadrinks, Fruchtsäfte, Softdrinks, Alkohol
  • Süßigkeiten & Snacks: wie Schokolade, Eis, Chips & Co.

Kniearthrose: Was du sonst tun kannst

Mit gesunder und ausgewogener Ernährung bist du bereits auf dem richtigen Weg. Doch du kannst im Rahmen einer konservativen Arthrose-Therapie dein Wohlbefinden noch weiter steigern: So darf gezielte und regelmäßige Bewegung nicht fehlen – in der Physiotherapie, aber auch mit moderatem Sport. Passende Knieübungen für zu Hause mit deinem persönlichen Trainingsprogramm findest du zum Beispiel in unserer Therapie-App. Zusätzlich können unsere Bandagen und Orthesen – vor allem bei sportlichen Aktivitäten – dein Knie entlasten und stabilisieren, um Schmerzen zu lindern und dir ein besseres Gefühl zu geben.

Gonarthrose Beratungsportal

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