Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus nehmen wir gerade in vielen Lebensbereichen Einschränkungen hin und stehen besonderen Herausforderungen gegenüber. Neben den deutlich spürbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Pandemie wird auch unser Gesundheitssystem wie kaum zuvor auf die Probe gestellt. Um die Kapazitäten der Krankenhäuser für Corona-Infizierte freizuhalten, sollen etwa alle planbaren Operationen auf unbestimmte Zeit verschoben werden – so der Beschluss der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten. Eine Vielzahl dieser OPs betrifft orthopädische Eingriffe, zum Beispiel für Patienten mit Arthrose an Knie oder Hüfte. Parallel dazu wird es für diese Menschen immer schwieriger, einen Termin beim Hausarzt oder Orthopäden zu bekommen; ähnlich verhält es sich mit der Physiotherapie. Was Arthrose-Patienten nun tun können, um ihre Gelenkschmerzen zu Hause in den Griff zu bekommen und ihre Operation damit möglichst lange aufzuschieben, erklären wir in diesem Beitrag.

Sinnvolle Maßnahmen bei OP-Verzögerung

Schmerzen lindern, Bewegung erhalten und das Gelenk stabilisieren sind jetzt wichtig, um den Alltag zu überstehen. Erfahre mehr über wirkungsvolle Maßnahmen, um Arthrose-Schmerzen zu lindern:

Gelenkschonende Bewegung >

Therapie-Übungen für zu Hause >

Gesunde Ernährung >

Bandagen und Orthesen >

Was hilft gegen Arthrose-Schmerzen?

1. Gelenkschonende Bewegung

Viele Arthrose-Patienten machen schmerzbedingt den Fehler, das betroffene Gelenk stillzulegen. Stattdessen sollte man es trotz Beschwerden regelmäßig und gezielt beanspruchen. Damit bleibt nicht nur die Beweglichkeit des Gelenks erhalten, auch wird Gelenkflüssigkeit durch das Knorpelgewebe gepumpt. Auf diese Weise wird der Knorpel mit essentiellen Nährstoffen versorgt und das Gelenk ‚geschmiert‘. Ein weiterer positiver Effekt von Bewegung ist die Stärkung der gelenkstützenden Muskulatur und eine Förderung der Durchblutung. Diese beiden Faktoren sorgen für eine Schmerzlinderung. Gelenkschonende Sportarten und Freizeitaktivitäten wirken sich aber auch positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus und machen Spaß. Spaziergänge, Walken, Wandern oder Touren mit dem Fahrrad sind für den Start zu empfehlen. Wer dranbleibt und regelmäßige Bewegung erfolgreich in den Alltag integriert, wird davon auch kurzfristig profitieren.

2. Therapie-Übungen für zu Hause

Auch die Physiotherapie ist ein elementarer Baustein zur Behandlung von Arthrose-Schmerzen. Durch zielgerichtete Bewegungsübungen werden Betroffene von dem Therapeuten dafür geschult, krankheitsbedingte Einschränkungen des Gelenks auszugleichen und weiteren Schäden vorzubeugen. Mit dem richtigen Maß an Bewegung bleibt die Gelenkfunktion erhalten und die so wichtige Nährstoffversorgung des Knorpels wird, wie bereits erwähnt, sichergestellt. Die Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist, dass der Patient die Bewegungsabläufe auch außerhalb der Termine in der Physiotherapiepraxis übt.

Wer gerade ohne Termine für Physiotherapie dasteht oder diese aufgrund einer möglichen Corona-Ansteckungsgefahr nicht wahrnehmen möchte, kann auf unsere Bauerfeind Therapie-App zurückgreifen. Darin findest du ein individuell auf dein Krankheitsbild abgestimmtes Übungsprogramm, welches dir die Bewegung gibt, die du brauchst. So trainierst du bequem und sicher von zu Hause aus. Bei der App handelt es sich um ein Medizin-Produkt, das von Ärzten und Physiotherapeuten entwickelt wurde. Neben den Übungen findest du darin auch weitere praktische Ratschläge und Informationen von unseren Gesundheitsexperten.

3. Gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion

Übergewicht gehört zu den häufig genannten Risikofaktoren für Arthrose. Adipöse Personen können durch eine Verringerung des Körpergewichts stark beanspruchte Gelenke entlasten und den Verschleiß des Knorpelgewebes entschleunigen. Regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsumstellung sind der Schlüssel, um überflüssige Kilos abzubauen. Statt kurzfristiger Diäten sollten die Lebensgewohnheiten nachhaltig geändert werden, doch auch erste kleine Erfolge beim Abnehmen wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus und reduzieren Schmerzen. In diesem Zuge ist es ratsam, sich außerdem über die richtige Ernährung bei Arthrose zu informieren – diese hilft nämlich nicht nur dabei, sein Gewicht in den Griff zu bekommen, eine Reihe von Nahrungsmitteln wirkt außerdem entzündungshemmend.

4. Unterstützung durch Bandagen und Orthesen

Ein weiteres Mittel, um Arthrose-bedingte Schmerzen zu lindern, ist die Nutzung von orthopädischen Hilfsmitteln. Bei Knie- oder Hüftschmerzen können einerseits Schuheinlagen gegen Fehlbelastungen helfen und stark beanspruchte Gelenke ein wenig entlasten. Eine andere Möglichkeit bieten unsere stabilisierenden Bandagen oder Orthesen, die speziell auf die Bedürfnisse von Arthrose-Patienten abgestimmt sind. Diese unterstützen in der Aktivität und helfen beim Sport oder bei der Physiotherapie dabei, eine sichere, korrekte Bewegung auszuführen. Doch auch beim bequemen Tragen im Alltag profitiert man von einer spürbaren Entlastung, einem Massageeffekt auf die umliegende Muskulatur und einem sicheren Gefühl.

 

Prof. Dr. med. Stefan Sell Ärztlicher Direktor Gelenkzentrum Schwarzwald

In dieser Zeit sind Bandagen und Orthesen besonders wichtig. Sie können helfen, die Operation hinauszuzögern.


Prof. Dr. med. Stefan Sell
Ärztlicher Direktor Gelenkzentrum Schwarzwald

Wie bekomme ich mein Hilfsmittel in der aktuellen Situation?

Der Sanitätsfachhandel und orthopädietechnische Betriebe stellen die Versorgung mit Bandagen, Orthesen und weiteren Hilfsmitteln während der Corona-Pandemie flächendeckend sicher.

Ein entsprechendes Rezept erhält man nach wie vor bei seinem Hausarzt oder einem Orthopäden, wobei viele Praxen gerade telefonische oder audiovisuelle Sprechstunden anbieten, um für ihre Patienten da zu sein. Im Idealfall erhältst du die Verordnung dann per Post.