Nach dem Sturz in die Tiefe geben ihr viele Freunde Halt. Auch Katja, eine langjährige Freundin, begleitet Gela auf ihrem Weg zurück.

Gela stürzte bei einem Fotoshooting in Island 800 Meter in die Tiefe, zu diesem Zeitpunkt ist ihre Freundin Katja beruflich auf einer Sportmesse unterwegs. Das Handy vibriert: eine SMS von einem guten Freund. Ihre gute Freundin hatte einen Unfall. Einen schweren Unfall. In diesem Moment bleibt die Welt für Katja kurz stehen. Tausend Bilder schießen ihr durch den Kopf. Bilder von der fröhlichen, lebensbejahenden Gela, die fast immer lächelt. Momente mit ihrer Freundin, die so aktiv ist, immer „on fire“, deren größte Leidenschaft die Berge sind und der Sport in der Natur.

Ein Gefühl von Hilflosigkeit

Was ist passiert? Ist es etwas Schlimmes? Wie geht es ihr? Unzählige Fragen, keine Antworten. Die Distanz zwischen München und Island scheint in dem Moment unendlich groß zu sein. „Das Schlimmste war dieses Gefühl, nichts tun zu können, und die Ungewissheit“, erzählt Katja.

Die Zeit ab dem Moment, in dem ich erfahren habe, dass Gela einen Unfall hatte, bis sie nach München kam, hat sich unfassbar lang angefühlt.

Dann endlich das erste Lebenszeichen: Gela schickt Katja eine Sprachnachricht aus dem Krankenbett. „Es hat so gutgetan, ihre Stimme zu hören, das war ein so schönes Zeichen und ein sehr wichtiger Moment – da ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen“, erinnert sich Katja. Je mehr Infos jedoch kamen, umso deutlicher wurde auch, wie schwer die Verletzungen waren. Katja ahnt, dass ein langer Weg vor ihrer Freundin liegen könnte.

Nach ihrem dramatischen Unfall muss die schwerverletzte Gela eine Woche lang in einem Krankenhaus in Reykjavik bleiben, bevor sie nach München verlegt wird. Katja hat sie dort direkt am ersten Tag besucht, mit durchaus gemischten Gefühlen: „Es war eine Mischung aus Aufgeregtheit, Vorfreude und natürlich auch Angst, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartet. Als ich dann die Tür zu Gelas Zimmer geöffnet habe, war das ein unfassbar schöner und gleichzeitig ein durch und durch emotionaler Moment.“ Katjas erster Gedanke:

Hey, sie ist am leben – das war einfach das Schönste!

Für Katja war ihre Freundin von ihrem Wesen her, wie sie geredet hat, ganz die Alte. Aber sie sah dort im Krankenbett auch eine Gela liegen, die sich nicht bewegen konnte. Die sonst so aktive Freundin, deren größte Leidenschaft im Leben Bewegung und Sport ist – dieses Energiebündel war ans Bett gefesselt.

Noch im Krankenhaus berichtet Gela von ihrem Sturz. Zu hören, was sie durchgemacht hat, war nicht greifbar. Es war schwer sich vorzustellen, was sie erlebt hat. Heute noch schimmern bei Katja die Augen feucht, wenn sie daran zurückdenkt. „Am liebsten wäre ich direkt bei Gela im Krankenhaus geblieben, in so einer Situation möchte man wohl einfach nur für den anderen da sein.“

Damals war Katja sehr glücklich und froh, die gute Freundin gesehen zu haben, gleichzeitig war ihr jedoch auch bewusst: Vor Gela liegt ein langer Weg zurück! Und dabei wird Katja für sie da sein.

Auf dem Weg, der jetzt vor ihr liegt, kann sie immer auf mich zählen.

Katja merkte damals schnell: Der Unfall machte ihrer Freundin nicht nur körperlich zu schaffen. Für Gela war es sicher nicht leicht, dass sie nicht mehr wie viele ihrer Freunde täglich durch die Berge laufen und an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Sie war nun dazu verdonnert, im Bett liegen zu bleiben und es langsam angehen zu lassen – eigentlich die Höchststrafe für das Energiebündel!

"Höher, schneller, weiter“ trat etwas in den Hintergrund

„Wir haben irgendwann angefangen, Yoga zusammen zu machen. Es war schön zu sehen, dass Gela dadurch mal ganz bei sich sein konnte, zur Ruhe kam und es geschafft hat, den Pausenknopf zu drücken.“ Lächelnd fügt Katja hinzu: „Nach ihrem Unfall sind wir die Berge einfach etwas langsamer hochgegangen, wobei Gela schnell ihre Hilfsmittel und Techniken gefunden hat, um auch hier wieder ganz vorn dabei zu sein.“ Gelas Motto „Höher, schneller, weiter“ trat in den Hintergrund. Im Vordergrund stand nun eine neue Seite der Ausdauersportlerin, eine gelassenere Seite. Denn der Unfall hat Gelas Leben verändert. Das Leben ihrer Freunde aber auch, wie Katja erklärt: „Unser Freundeskreis ist in dieser Zeit unheimlich eng zusammengewachsen. Wir machen mittlerweile alle zusammen viel öfter Bergtouren, genießen es einfach und vor allem: Wir nehmen uns Zeit füreinander.“