In Situationen zu verharren, die ihr nicht guttun, kam für Nicole van Venrooy noch nie infrage. Sie kündigte deshalb ihren alten Job, wagte einen Neuanfang und ist von nun an ihre eigene Chefin.

„Ich habe mich selten so irritiert gefühlt wie in meinem letzten Job“, berichtet Nicole. Nach nur neun Monaten kündigte sie deshalb ihren Job in einer Marketingagentur. Die Entscheidung fiel ihr nicht unbedingt leicht, auch weil die Kollegen ihr ans Herz gewachsen waren. Doch letztlich rief sie sich ins Bewusstsein, dass Arbeitszeit auch Lebenszeit ist und sie diese nicht vergeuden sollte. „Ich finde es unsinnig, diese beiden Bereiche zu trennen. Schließlich verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit bei der Arbeit“, sagt sie. Also wagte sie den Neuanfang – und ist glücklich mit ihrer Entscheidung. Die Arbeit im eigenen Café sieht sie nicht als Arbeitszeit. Natürlich sei es auch mal stressig und anstrengend, aber in der Summe überwiege die Freude.

Lebenszeit ist Arbeitszeit
Lebenszeit ist Arbeitszeit
Lebenszeit ist Arbeitszeit
Lebenszeit ist Arbeitszeit

Vom Traum zur Wirklichkeit

Die Sehnsucht nach einem eigenen Café hatte Nicole schon lange. Schon während der Schulzeit kellnerte sie nebenbei und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. „Ich dachte natürlich, ich würde auch nach der Ausbildung in diesem Bereich arbeiten“, berichtet sie. Doch dann kam es anders, und sie war erst mal viele Jahre in unterschiedlichen Unternehmen und Agenturen beschäftigt. Den Traum vom eigenen Café gab Nicole dennoch nie auf: „Ich habe viele Jahre nach Locations in und um Darmstadt geschaut. Als diese Räume hier frei wurden, dachte ich: jetzt oder nie.“

Die Zusage für die Räumlichkeiten im Darmstädter Stadtteil Bessungen bekam sie im Sommer 2018. Bis sie ihr Café Mela tatsächlich eröffnen konnte, verging jedoch noch über ein halbes Jahr. Handwerker, die nicht auftauchten, oder eine falsch gelieferte Kühltheke verzögerten die Eröffnung. „Viele Dinge ließen sich einfach nicht planen. Das hat mich teilweise ganz schön kirre gemacht“, erzählt Nicole. Dennoch ist sie optimistisch: „Ich sage mir immer: Es ist ein Café, keine Operation am offenen Herzen. Es gibt für alles eine Lösung.“

Das Leben wartet nicht auf einen.

Mit dieser positiven Einstellung ist Nicole bisher gut gefahren. Sie vertraut darauf, dass es das Leben grundsätzlich gut mit ihr meint – auch wenn selbstverständlich schon mal schlechte Dinge passieren. „Als ich kündigte, hatte ich keinen Plan B in der Tasche“, sagt sie. „Ich habe da immer eine große Zuversicht in das, was kommt.“ Am schlimmsten findet sie, wenn man in Situationen verharrt, in denen es einem nicht gutgeht. „Das Leben wartet nicht auf einen.“

Nicole ist sich sicher: Wer wirklich etwas verändern möchte und das in sich spürt, wird seinen Weg auch gehen. „Man braucht Menschen, die einen begleiten und einem Mut zusprechen. Letztlich muss es aber aus einem selbst kommen“, sagt sie. Nicole überlegte vorab, was das Schlimmste wäre, das passieren könnte. „Scheitern kann man immer. Es wäre blöd, Dinge deshalb nicht auszuprobieren.“ Viel schlimmer, als diesen Schritt nicht zu wagen, fände sie, das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen.

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Vertrauen in sich selbst

Dass sie diesen großen Schritt gegangen ist und nun in ihrem eigenen Café steht, kommt ihr immer noch etwas surreal vor. Für ihr Café Mela ist ihr besonders wichtig, dass die Menschen dort eine gute Zeit haben. „Ich biete mit meinem Café einen Rahmen. Die Menschen dürfen selbst entscheiden, was gut oder schlecht für sie ist.“ Die leckeren Torten und Kuchen tragen sicherlich dazu bei, dass die Gäste es sich in Nicoles Café gut gehen lassen. Außerdem gibt es eine kleine Frühstückskarte. „Ich finde es besser, klein anzufangen und sich dann zu entwickeln“, sagt Nicole. Bei ihrem Angebot will sie auch Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Gäste nehmen. Dennoch möchte sie sich bei ihrem eigenen Café nicht verbiegen. „Ich lasse mich nicht von außen in eine Schablone drücken“, sagt sie. Sie gestaltet das Café ganz nach ihrer eigenen Vorstellung und überlegt dabei immer, ob es zu ihr passt. „Schließlich ist es mein Café und mein Leben.“