Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem das nicht schon passiert ist: ein unbedachter Schritt vom Bordstein, ein übersehener Maulwurfshügel und schon ist man weggeknickt. Dass sich der im Sprunggelenk ablaufende Verletzungsmechanismus „Supinationstrauma“ nennt, ist einem dabei kaum bewusst.

Was ist ein Supinationstrauma?

„Supination“ (lat. für zurückgebogene Stellung) beschreibt zunächst nur die Bewegung des Fußes nach innen, während das „Trauma“ die Verletzung bezeichnet, die durch die Kräfte der – in diesem Fall unnatürlich heftigen – Bewegung entstanden ist. Ein Supinationstrauma entsteht durch ein Umknicken des Fußes über die Fußaußenkante nach innen, im Gegensatz zum Pronationstrauma, das das Umknicken über den Fußinnenrand beschreibt. Beides kann sehr schmerzhaft sein, in Abhängigkeit davon, wie viel Schaden im Gelenk und im gelenknahen Bereich entsteht.

Bänderdehnungen, Bänderrisse oder sogar Verletzungen des Knochens können weiterhin zu Blutergüsse und Schwellungen führen. Erst recht, wenn zusätzlich die empfindliche Gelenkkapsel betroffen ist. 

Was passiert dabei im Sprunggelenk?

Am oberen Sprunggelenk befinden sich mehrere Bänder, die das Gelenk stabilisieren, indem sie die Bewegung führen und in gesundem Maße einschränken. Eine kurzfristige Dehnung können diese Strukturen kompensieren, denn sie besitzen eine gewisse Elastizität. Bei einem Supinationstrauma wird der äußere Bandapparat allerdings durch das heftige Abknicken des Fußes nach innen überlastet. Es kann zu Bänderdehnungen, Bänderrissen oder anderen schwerwiegenden Verletzungen kommen, die der Betroffene durch einen scharfen Schmerz spürt. Die Schmerzen können je nach Schwere der Verletzung nach wenigen Minuten/ Stunden wieder nachlassen und erst unter Belastung zurückkehren. Sie können jedoch auch länger anhalten. Meist schwillt das Gelenk innerhalb weniger Minuten nach dem Unfall an und wenn Blutgefäße durch das Supinationstrauma verletzt wurden, kommt es zu Einblutungen, die den Fuß „blau“ werden lassen.  Bei einer sehr starken Schwellung nimmt der Druck im Gewebe eventuell sogar so stark zu, dass Gefäße und Nerven abgedrückt werden und die Haut sich taub anfühlt.

Was hilft dem Sprunggelenk?

Direkt nach einem Supinationstrauma sollten Erste-Hilfe-Maßnahmen nach der PECH-Regel erfolgen:

  • Pause: Das verletzte Gelenk braucht Ruhe und sollte nicht mehr belastet werden.
  • Eis: Das Gelenk ist zu kühlen. Am besten dienen hier Kühlpakete auf Kühlschrank-Temperatur. Werden Eispakete verwendet, sollten diese in Tücher gewickelt werden um Hautschädigungen zu vermeiden. 
  • Compression: Der Druck durch einen Kompressionsverband lindert den Schmerz und verhindert ein überproportionales Anschwillen.
  • Hochlagern: Der verletzte Fuß sollte über Herzhöhe gehalten bzw. gelagert werden. Auch das verhindert ein weiteres Anschwellen.

Supinationstrauma im Sprunggelenk: Die Diagnose des Verletzungsumfangs ist wichtig

Jede Verletzung am Sprunggelenk sollte grundsätzlich ernst genommen werden. Denn wird sie nicht richtig diagnostiziert und therapiert, können Folgeschäden wie Arthrose (übermäßiger Gelenkverschleiß) auftreten. Das gilt für leichte Verletzungen genauso wie für schwere Verletzungen.

Wenn das Gelenk erheblich anschwillt und sich bläulich verfärbt, es nicht mehr bewegt werden kann und starke Schmerzen auftreten, handelt es sich vermutlich nicht nur um eine leichte Überdehnung der Bänder, sondern um einen Bänderriss. Es können ein oder mehrere Bänder betroffen sein. Reißt eines davon komplett, können zudem Knochenteilchen mit abgesprengt werden.

     

Grundsätzlich ist ein Termin beim Arzt bzw. Orthopäden nach einem Supinationstrauma ratsam. Dieser kann durch einzelne, vorsichtig durchgeführte Bewegungen feststellen, an welchen Stellen das Gelenk seine Stabilität verloren hat. Daraus lassen sich oftmals schon Rückschlüsse auf den Umfang der Verletzung ziehen, zum Beispiel ob die Bänder nur überdehnt oder gerissen sind. Endgültige Klarheit bringt eine bildgebende Untersuchung, zum Beispiel ein MRT (Magnetresonanztomographie).

Vorbeugung zur Vermeidung eines Supinationstraumas

In den meisten Fällen ist das Supinationstrauma die Folge einer Unachtsamkeit. An zweiter Stelle stehen schnelle Bewegungen beim Sport. Vor allem rasante Richtungswechsel, wie sie beim Ball- oder Rückschlagsport üblich sind, gehen mit einem gewissen Verletzungsrisiko für die Sprunggelenke einher. Diesen Risiken lässt sich durch hochwertiges und vor allem gut sitzendes Schuhwerk vorbeugen. Außerdem trägt eine gesunde Fitness dazu bei, dass die Muskulatur rechtzeitig aktiviert wird und das Verletzungsrisiko minimiert. Experten raten daher, die Propriozeption zu verbessern: Die Rede ist von der Eigenwahrnehmung, die geschult werden kann. Der Patient lernt, seine Bewegungen besser zu koordinieren und schneller auf Veränderungen zu reagieren. 

Tipp:
Durch Schulung der Propriozeption verbessert sich die Aktivität der Muskeln im aktiven und passiven Bereich. Das trägt erheblich dazu bei, das Unfallrisiko zu reduzieren.

Orthese zur Stabilisierung des Sprunggelenks im Alltag

Nach einem Supinationstrauma ist das Gelenk vorübergehend weniger stabil, das Risiko für weitere Verletzungen ist erhöht. Das gilt aber auch für Personen, die aufgrund einer Bindegewebsschwäche häufiger umknicken, ohne dass bisher eine Bänderverletzung aufgetreten ist.

In solchen Fällen können Sprunggelenkorthesen helfen. Beim Laufen auf unebenem Grund oder beim schnelleren Gehen, Treppensteigen oder leichten sportlichen Aktivitäten wie Wandern oder Fahrradfahren schützen die Orthesen ein instabiles Sprunggelenk vor Überlastungen. Sie helfen, nicht vorschnell umzuknicken und wieder sicherer aufzutreten. Es gibt Orthesen, die speziell auf das Supinationstrauma ausgerichtet sind, wie zum Beispiel die MalleoLoc L und MalleoLoc L3. Da sie ausschließlich auf der Seite des Außenknöchels anliegen, sind sie besonders flach und passen in Sportschuhe, Alltagsschuhe und Arbeitsschuhe und lassen sich somit gut im Alltag integrieren.

Die anatomisch geformten L-Schalen der MalleoLoc L und MalleoLoc L3 liegen am Unterschenkel an und verlaufen vor dem Außenknöchel. Sie schützen das Sprunggelenk so vor Fehlbewegungen, die ein erneutes Umknicken auslösen könnten, ohne direkten Druck auf die Verletzte Region zu bringen. Der natürliche Abrollvorgang des Fußes wird dabei unterstützt.

Nicht zuletzt spielt auch der psychologische Effekt der Sprunggelenksorthese eine wichtige Rolle, vor allem bei Personen mit Bandabrissen. Eine solche Verletzung ist schmerzhaft, die Heilung dauert oft Monate. In dieser Zeit fühlt sich das Gelenk noch instabil an, was oft für Verunsicherung sorgt. Die Orthesen stützen das Gelenk spürbar und verbessern so die Bereitschaft, den Fuß zunehmend zu belasten.