Ob eine krumme Landung beim Basketball, ein falscher Tritt beim Wandern oder der Versuch, bei einem Sprung oder Sturz aus großer Höhe auf den Füßen zu landen – viel zu schnell kann es passieren: Das Gelenk verrenkt sich und bricht in der Folge. Geht es um Knochenbrüche an Beingelenken, ist das Sprunggelenk bei Erwachsenen sogar das am häufigsten betroffene Gelenk.

Ist das Sprunggelenk gebrochen, kann es zu einer Instabilität kommen, die eine Operation und darauffolgende vollständige Fixierung nötig macht. Es kann Monate oder Jahre dauern, bis der Knöchel nach einer Sprunggelenksfraktur die alte Stabilität zurückerlangt hat.

Bei jedem Schritt stark belastetes Gelenk

Das Sprunggelenk ist eine wahre Meisterleistung der Natur. Beim Laufen und Springen fängt es ein Vielfaches des Körpergewichts ab. Was viele nicht wissen: Es handelt sich dabei anatomisch gesehen um zwei Gelenke – dem oberen (OSG) und dem unteren (USG) Sprunggelenk.

Das USG befindet sich zwischen Sprungbein (Talus), Fersenbein (Calcaneus) und Kahnbein (Naviculare).

Das OSG besteht aus dem Sprungbein und den unteren Enden des Schienbeins (Tibia) und Wadenbeins (Fibula). Dabei bilden der Innenknöchel (Malleolus medialis) des Schienbeins und der Außenknöchel (Malleolus lateralis) des Wadenbeins die sogenannte Malleolengabel (Sprunggelenksgabel) für die Sprungbeinrolle (Trochlea tali), die auf dem Sprungbein liegt. Die Knochen werden durch drei Außenbänder, ein dreieckiges Innenband und eine Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein (Syndesmoseband) wie eine Zange in Form gehalten. Man spricht hier vom Kapsel-Band-Apparat. Kommt es zu einer Sprunggelenksfraktur, sind meist auch die Bandstrukturen verletzt.

Häufigster Bruch der unteren Extremitäten: die Sprunggelenksfraktur

Doch wie kommt es überhaupt zu dem Bruch? Das Sprunggelenk ist darauf ausgelegt, das Heben und Senken des Vorfußes in der Vorwärtsbewegung zuzulassen. Die seitliche Bewegung wird dabei vom unteren Sprunggelenk unterstützt, während das obere auf Kippbewegungen und Umknicken extrem empfindlich reagiert. Deshalb kommt es bei einer falschen Landung oder einem verdrehten Aufkommen häufig zu Brüchen im oberen Bereich des Knöchels. Vor allem das Wadenbein ist aufgrund seiner durch den Bandapparat stark fixierten Position prädestiniert für eine Bruchverletzung. Ein solcher Bruch des Sprunggelenks wird als Malleolarfraktur bezeichnet, wobei dieser Begriff meist mit einem Wadenbeinbruch gleichgesetzt wird.

Frakturen im Sprunggelenksbereich

So komplex, wie das Sprunggelenk aufgebaut ist, so zahlreich sind auch die möglichen Frakturen. Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Talusfraktur: Bruch des Sprungbeins (sehr selten)
  • Tibiafraktur: Schienbeinbruch
  • Fibulafraktur: Wadenbeinbruch (sehr häufig)

Darüber hinaus können diese Brüche kombiniert auftreten. Man spricht von einer Bimalleolarfraktur, wenn neben dem inneren Knöchel (Wadenbeinbruch) auch der äußere Knöchel (Schienbeinbruch) betroffen ist. Bei der Trimalleolarfraktur ist zusätzlich die hintere Kante der tragenden Tibia abgebrochen.

Es gibt drei Klassifikationen für Sprunggelenksfrakturen, die sich nach Weber an der Lage des Bruches und der Beeinträchtigung des Syndesmosebandes – das Verbindungsbandes zwischen Schien- und Wadenbein – orientieren:

Weber-A-Fraktur: Der Bruch ist unterhalb der Syndesmose.
Weber-B-Fraktur: Der Bruch ist in Höhe der Syndesmose, welche ebenfalls verletzt sein kann.
Weber-C-Fraktur: Der Bruch ist oberhalb der Syndesmose. In diesem Fall ist das Syndesmoseband immer verletzt.

Akute Behandlung und Reha, wenn das Sprunggelenk gebrochen ist

Für die Langzeitprognose entscheidend ist weniger der Bruch selbst als vielmehr die Schädigung des Gelenkknorpels und der Bänder. Der Umfang dieser Schäden hängt zum einen vom Unfall an sich ab und wird von der Art des Bruches, dem Stauchungsgrad und dem Umfang der Verrenkung bestimmt. Zum anderen ist entscheidend, wie der Bruch korrigiert und fixiert wird. Stimmt die Position der Knochen nicht 100-prozentig, so entwickelt das Gelenk oft schon innerhalb eines Jahres nach dem Ausheilen des Bruches deutliche Verschleißerscheinung und eine chronische Instabilität. Dem operativen Eingriff und dem gezielten Wiederaufbau der stabilisierenden Muskulatur kommt deshalb eine enorme Bedeutung zu.

Nach einer Sprunggelenksfraktur langsam wieder aufbauen

Ist das Sprunggelenk gebrochen, darf der Knöchel in der Regel sechs Wochen gar nicht belastet werden, damit die Sprunggelenksfraktur heilen kann. Das hat zur Folge, dass die stabilisierende Muskulatur schwächer wird und dann in der folgenden Belastungsphase fehlt. Für die Schäden an den Bändern und Gelenkknorpeln ist Bewegung im weiteren Verlauf der Therapie zwingend erforderlich für den Heilungsprozess. In der Praxis kommen deshalb in der Reha-Phase erst Orthesen und später Knöchelbandagen zum Einsatz.

Bandagen und Orthesen geben Stabilität und Stimulation

Nach der ersten Belastungspause unterstützt eine Orthese. Sie sorgt dafür, dass das Sprunggelenk nach einem Bruch die nötige Stabilität erhält und nicht überlastet wird. Die Produkte sind so geschnitten, dass sie bequem auch im Alltag, etwa in Sneakern oder auch Businessschuhen, getragen werden können. Der Fuß kann dank der Orthese seinem natürlichen Abrollvorgang nachkommen und wird gleichzeitig vor einem erneuten Fehltritt geschützt.

Im weiteren Verlauf der Reha kommen zunehmend Aktivbandagen zur muskulären Stabilisierung zum Einsatz. Diese speziellen Bandagen von Bauerfeind bestehen aus atmungsaktiven Gestrick, das sich fest um den Knöchel legt. Dabei übt das medizinische Hilfsmittel ebenfalls bei Bewegung Druck aus und massiert das Sprunggelenk.

Auch nach der Rehaphase ist das Tragen einer Sprunggelenkbandage zu empfehlen – und das nicht nur bei bestehenden Restbeschwerden. Die stabilisierende Wirkung vermindert das Risiko einer erneuten Verletzung und/oder einer Überlastung beim Aufbausport. Beides kann langfristig zu einer chronischen Instabilität führen.