Wenn ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel Nervenbahnen schädigt, kann dies die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Störungen des Tastempfindens und der Schmerzwahrnehmung, aber auch der inneren Organe sind mögliche Begleiterscheinungen der Zuckerkrankheit. Wie entsteht die diabetische Neuropathie, woran erkennt man sie, wie kann man ihr vorbeugen und sie behandeln?

Was ist eine diabetische Neuropathie?

Unter dem Begriff Neuropathie fasst man eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen des peripheren Nervensystems – also der Nervenbahnen und -zentren außerhalb von Gehirn und Rückenmark – zusammen. Bei der diabetischen Neuropathie (oder Polyneuropathie, wenn viele Nerven betroffen sind) handelt es sich um eine spezifische Art von Störung, die ausschließlich Menschen betrifft, die an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) leiden. Der zu hohe Zuckergehalt im Blut schädigt die Nervenzellen, wodurch es zu Funktionsstörungen und sogar zum Absterben von Nerven kommt. Je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen sind, macht sich die diabetische Neuropathie durch sehr unterschiedliche Symptome bemerkbar. Auch Nerven, die Organe wie Leber, Herz oder Nieren steuern oder Sinnesreize weiterleiten, können davon betroffen sein und entsprechende Funktionsstörungen verursachen.

Welche Formen von diabetischer Neuropathie gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen peripherer und autonomer Neuropathie. Bei der peripheren Neuropathie sind Nervenfasern betroffen, die von der Peripherie – von Haut, Armen und Beinen – zum Rückenmark ziehen. Sie bestehen im Wesentlichen aus Nervenfasern für Tast- und Temperaturempfinden, schmerzleitenden Nervenfasern und motorischen Nervenfasern, die die Tätigkeit der Skelettmuskulatur steuern – die Muskeln unseres Bewegungsapparates. Bei der autonomen Neuropathie sind die Nervenbahnen betroffen, die die sogenannten autonomen Funktionen des Körpers steuern. Dazu zählen Herz und Kreislauf, Verdauung, Hormonhaushalt, Nieren- und Lebertätigkeit, Blutdruck und andere autonom, also ohne unser bewusstes Zutun ablaufende Funktionen.

Woran erkennt man eine diabetische Neuropathie?

Nerven ziehen zu allen Organen des Körpers. Sie steuern Bewegungen und Organfunktionen, leiten Tast- und andere Sinneswahrnehmungen zu Gehirn und Rückenmark weiter und melden als Schmerzfasern Verletzungen und Schädigungen. So vielfältig die Aufgaben dieser Nerven sind, so unterschiedlich kann auch das Erscheinungsbild einer diabetischen Neuropathie sein.

  • Bei der Schädigung von Nervenfasern, die Umgebungs- und Tastreize weiterleiten: Fehlempfindungen, Kribbeln, Jucken, Brennen, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle, verringertes oder verändertes Temperaturempfinden
  • Bei geschädigten Schmerzfasern: Schmerzen ohne erkennbaren Anlass oder fehlendes Schmerzempfinden
  • Bei Schädigungen von Organnerven (autonome Neuropathie):Herzrhythmus- oder Verdauungsstörungen, Blutdruckschwankungen, Übelkeit, Erbrechen, Blasenschwäche, Schluckstörungen oder Impotenz
  • Bei Schädigung von motorischen Nerven: Muskelschwäche, Muskelschwund, Lähmungen, Gangunsicherheit oder Stolpern

Sind Nervenfasern des Auges betroffen (diabetische Retinopathie), macht sich dies durch Sehstörungen bemerkbar; bei schwerem Verlauf kann es sogar zur Erblindung kommen.

Wie wirkt sich eine Polyneuropathie auf die Psyche aus?

Da die Symptome der diabetischen Neuropathie auch die Psyche in Mitleidenschaft ziehen, können Selbsthilfegruppen und Psychotherapie einen wichtigen Beitrag zur Behandlung und Stabilisierung leisten. Dabei helfen zwischenmenschliche Kontakte und psychologische Gespräche, das eigene Erleben zu verarbeiten und der Entstehung von Depressionen vorzubeugen: Etwa 20 bis 25 % der an Diabetes erkrankten Menschen erleben aufgrund des Krankheitsbildes depressive Verstimmungen und Depressionen. Diese wirken sich ungünstig auf den Verlauf der Erkrankung aus: Sie fördern einen sozialen Rückzug, verstärken Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle, erschweren die Teilnahme am sozialen Leben und stellen eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Der Austausch mit anderen Menschen im Gruppen- oder Einzelgespräch kann eine Vielzahl von positiven Anreizen liefern, um besser mit den oftmals sehr belastenden Folgen der diabetischen Neuropathie umzugehen.

Wie kann eine diabetische Neuropathie behandelt werden?

Eine ursächliche Behandlung der diabetischen Neuropathie gibt es derzeit nicht. Die ärztliche Behandlung besteht überwiegend in der Patientenaufklärung und in einer strikten Kontrolle und Einstellung des Blutzuckers, um eine fortschreitende Schädigung des Nervensystems aufzuhalten. Dabei ist die Mitarbeit des Betroffenen entscheidend.

Eigenständige Kontrollen des Blutzuckerspiegels und des Blutdrucks sowie eine gesunde Lebensweise mit Verzicht auf Nikotin und Alkohol, die ihrerseits Nerven schädigen können, sind dazu unverzichtbar. Je nach Beschwerdebild können verschiedene Maßnahmen eingeleitet werden, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern:

  • Gewichtsreduzierung bei Übergewicht
  • Schmerztherapie
  • medikamentöse Therapie
  • Einlagen, orthopädische Schuhe oder Schienen
  • Physiotherapie (Wärme- oder Kältetherapie, Elektrotherapie, Bewegungstherapie wie Gymnastik oder Gangschule, Massage)
  • bei Funktionsstörungen innerer Organe gezielte Therapien, um die Funktionsstörung auszugleichen (zum Beispiel ACE-Hemmer oder Antiarrhythmika bei Herzrhythmusstörungen oder Implantation eines Magenschrittmachers bei schweren Störungen der Magenfunktion)
  • begleitende Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen

Wie können Schuheinlagen bei einer diabetischen Neuropathie helfen?

Die diabetische Neuropathie geht oft mit einer gestörten Schmerzwahrnehmung einher. Wenn bei einer Polyneuropathie schmerzleitende Fasern geschädigt sind, bemerken die Betroffenen kleine Verletzungen oder Schädigungen am Fuß nicht – und aufgrund der schlechteren Wundheilung bei Diabetes kann es zu chronischen Wunden kommen. Dies kann durch geeignetes Schuhwerk, sogenannte Bequemschuhe, verhindert werden. Die Weichpolster-Einlage ErgoPad® soft Diabetes beugt Schäden und Überlastungsfolgen am Fuß vor, indem sie den Druck beim Auftreten und Abrollen gleichmäßig verteilt. Das entlastet insbesondere die kritischen Zonen an der Ferse und am Grundgelenk der Großzehe, die beim Gehen am meisten Druck auffangen müssen.