Seite 25 - Bauerfeind_life_02_2012

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MEDICAL
life
magazin 3/2012
25
Stabilisieren, bewegen, heilen
Wintersportverletzungen
Gibt es unterschiedliche Verletzungsmuster
im Alpinski und beim Snowboarden?
Dr. Oberthaler:
Ja, durchaus. Alpinskifahrer
verletzen sich eher an Knie und Schienbein,
Snowboardfahrer haben ihren Schwachpunkt
im Bereich des Handgelenks und der Arme.
So erklärt sich auch, dass statistisch gesehen
im Wintersport Knieverletzungen an erster
Stelle stehen. Verletzungen an Händen und
Armen zusammengenommen erreichen aber
nahezu die gleiche Häufigkeit.
Kann man über die Jahre hinweg hierbei
eine Entwicklung erkennen?
Dr. Oberthaler:
Beispiel Skischuhe: Die
Hebelkräfte, die am Rand eines Skischuhs
wirken, verursachten früher häufig Brüche
der Unterschenkelknochen, vor allem soge-
nannte Schuhrandbrüche. Im Laufe der Jahre
hat man die Skischuhe immer höher ge-
schnitten, um eine bessere Kraftübertragung
auf den Ski zu erzielen. Dadurch hat sich die
Verletzungsrate eine Etage höher verlagert,
vom Unterschenkel in Richtung Knie. Beim
Skifahren mit zu viel Druck auf die Skier kann
es daher sogar ohne Sturz zum Kreuzbandriss
kommen.
Hat sich Ihre Arbeit als Unfallchirurg auch
verändert?
Dr. Oberthaler:
Die Medizin hat sich in den
letzten 20 Jahren natürlich enorm weiterent-
wickelt. Wir verfügen heute über verfeinerte
Operationstechniken und bessere, scho-
nendere Hilfsmittel und Therapien. Viele
Eingriffe lassen sich heute minimalinvasiv
per Schlüssellochchirurgie vornehmen.
Früher wurde auch weitaus mehr gegipst, mit
allen Nachteilen. Mit dem Einsatz von Metall-
implantaten, also Schrauben, Platten usw.,
erzielen wir eine raschere Rehabilitation.
Wie sieht das konkret aus?
Dr. Oberthaler:
Nehmen wir den „Klassiker“
unter den Handverletzungen, den Skidau-
men, einen Bandriss im Daumengrundgelenk.
Eine Operation ist hier unumgänglich. Früher
erhielt der Patient danach einen Gips, war
sehr eingeschränkt in seinem Alltag und
Schnell, schneller, am schnellsten. Dafür sorgen die im Skisport ständig verbesserten
Materialien und gut präparierte Pisten. Für die Verletzungsstatistik gibt dies zwar
keine Entwarnung, doch auch die Therapiemöglichkeiten haben sich weiterentwickelt.
life
sprach darüber mit dem Unfallchirurgen und Teamarzt des Österreichischen Skiver-
bands, Dr. med. Gerhard Oberthaler.
Dr. med. Gerhard
Oberthaler.
konnte frühestens nach fünf Wochen, nach
der Gipsabnahme, mit Rehamaßnahmen
beginnen. Heute hingegen ist er schon nach
fünf Wochen komplett beschwerdefrei. Das
hat auch mit der Verwendung von Stabilor-
thesen zu tun.
Können Sie deren Einsatz näher erläutern?
Dr. Oberthaler:
Metall- oder bioresorbier-
bare Implantate gewährleisten heute direkt
nach der OP eine stabile Gelenksituation, die
Orthese stützt zusätzlich. Durch eine Dau-
menorthese wie RhizoLoc ist die Beweglich-
keit im Daumengrundgelenk zwar einge-
schränkt, der Heilungsprozess beschleunigt
sich aber. Der Grund: Das Gelenk lässt sich
kontrolliert bewegen, dadurch wird das
Stoffwechselgeschehen günstig beeinflusst,
das Gelenk besser durchblutet und ernährt
und findet somit leichter in seine Funktion
zurück. Auch bei Zerrungen und zur Unter-
stützung der Muskulatur sind Orthesen sehr
hilfreich.
Snowboarder verletzen sich häufig an den Handgelenken und Armen.
„Früher wurde auch weitaus mehr
gegipst, mit allen Nachteilen.“
(Dr. med. Gerhard Oberthaler)