Seite 24 - Bauerfeind_life_02_2012

Basic HTML-Version

24
life
magazin 3/2012
MEDICAL
„Der Zügel ist ja kein Drahtseil,
aber er wirkt“
Klinisch-medizinische Auswertung GenuTrain P3 mit einstellbarem Korrekturzügel
Vorderer Knieschmerz, Patellainstabilität –
wen trifft es?
Dr. Lasarzewski:
Der weitverbreitete
vordere Knieschmerz kann auf eine Patel-
lainstabilität zurückgeführt werden. Halb
Nordrhein-Westfalen sei davon betroffen,
sagte ein Kollege einmal. Tatsächlich
kommt der vordere Knieschmerz sehr häufig
vor. Es trifft vor allem Mädchen und junge
Frauen.
Wie kommt es zu der Subluxation der
Kniescheibe?
Dr. Lasarzewski:
Indem die Patella nicht
mehr beschwerdefrei in ihrem natürlichen
Gleitlager läuft. Eine valgische Stellung
des Kniegelenks verstärkt die Situation.
Meist tendiert die Instabilität nach lateral.
Sportliche Überbelastungen können eine
Ursache sein. Lokale Überbeanspruchungen
der patellofemoralen Strukturen sind oft
bedingt durch die Lateralisation der Patella.
Mit der Tendenz zur Luxation?
Dr. Lasarzewski:
Die Gefahr ist vorhanden.
Eine Luxation sollte unbedingt verhindert
werden, knöcherne Strukturen können dabei
in Mitleidenschaft geraten – eine klare In-
dikation für eine Operation. Zudem ist nach
einer Erstluxation das Rezidivrisiko stark
erhöht.
Wie vermeiden Sie die Luxation bzw. was tun
Sie gegen den vorderen Knieschmerz?
Dr. Lasarzewski:
Den ersten Zugriff auf die
Patella sollten immer konservative Verfahren
haben. Eine der großen Herausforderungen
lautet: Wie kann ich durch eine Stärkung
der Muskulatur eine Besserung der Situa-
tion erzielen? Zentraler Muskel ist der
Musculus vastus medialis, der über seine
Sehnenansätze die Patella führt. Hier ist in
erster Linie die Physiotherapie gefragt. Ein
entsprechendes Training in Kombination mit
patellastabilisierenden Bandagen kann die
Symptomatik entschärfen.
Welche Eigenschaften müssen diese
Bandagen aufweisen?
Dr. Lasarzewski:
Wichtig ist die Fokus-
sierung auf die Patella. Manche Bandagen
besitzen einen Ring zur Zentrierung der
Kniescheibe. Das ist aber an Funktionalität
noch nicht ausreichend. Um Patienten und
Orthopäden zu überzeugen, müssen Trage-
komfort und vor allem Wirksamkeit gut
dokumentiert sein. So wie eine bestimmte
Funktionalität der GenuTrain P3, die bei der
Anwendungsbeobachtung in unserem Haus
eine besondere Rolle spielte …
Sie meinen den Korrekturzügel, der variabel
anzuwenden ist …
Dr. Lasarzewski:
… und zwar vom Patienten
selbst – ein unscheinbares Band, an der rich-
tigen Stelle um die Patella herumgeführt.
Der Patella-Korrekturzügel ist zwar kein
Drahtseil, aber er wirkt! Die Patienten haben
die Möglichkeit, ihn, je nach Instabilitäts-
grad oder eigenem Empfinden, straffer oder
lockerer einzustellen. Er kann so zu einer
Besserung beitragen.
Wie schätzen Sie die weiteren Merkmale der
GenuTrain P3 ein, wie Patellaabdeckung und
Detonisierungspelotte?
Dr. Lasarzewski:
Man muss die Bandage als
Einheit betrachten. Die Kombination aller
Eigenschaften und Funktionalitäten sollte
kohärent sein. Dazu gehört auch die Deto-
nisierungspelotte. Sie kann gleichsam als
Antagonist zum Musculus vastus medialis
wirken, indem sie seinen Gegenspieler, den
M. vastus lateralis, entspannt. Dadurch kann
eine Verkippung bzw. eine Lateralisierung der
Patella vermieden werden.
Wie lautet Ihr Fazit zur neu überarbeiteten
GenuTrain P3?
Dr. Lasarzewski:
Vor der Anwendungs-
beobachtung war ich skeptisch, zugege-
ben. Die medizinisch-klinische Bewertung
jedoch hat mich überrascht. Die Bandage
kann einen Beitrag zur Schmerzreduzie-
rung beim vorderen Knieschmerz und
gegen die Tendenz zur Luxation der Knie-
scheibe leisten. Gerade bei jungen Frauen,
die stark auf ihr Äußeres achten, ist es
wichtig, dass sie mit der Bandage eine
wirksame Therapie- und Motivationshilfe
an die Hand bekommen – sozusagen eine
Hilfe zur Selbsthilfe.
Bei Patellainstabilität müsse die Luxation als Erstereignis unbedingt vermieden werden, betont
Dr. med. Bernd Lasarzewski, Chefarzt der Abteilung Knie-, Schulter- und Ellenbogenchirurgie an
der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid. Als hilfreich schätzt der Mannschaftsarzt der Frauen-
Fußballnationalmannschaft ein scheinbar unscheinbares Band ein.
Dr. med. Bernd
Lasarzewski.
Der Korrekturzügel der neuen GenuTrain P3 ist in
seiner Zugkraft variabel.
Bilder: mk, Bauerfeind, privat, f1online/Imagebroker RM