Seite 14 - Bauerfeind_life_02_2012

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life
magazin 3/2012
FOKUS
Bilder: Stefan Durstewitz, doc-stock/3d4medical.com
>>> Ausdauersportarten als „Materialtes-
tung des Körpers“ zu bezeichnen, klingt
zynisch, trifft aber den Kern. Der Fuß ist
einer enormen Belastung ausgesetzt. Beim
Langstreckenlaufen etwa fängt er die ständig
sich wiederholenden Stöße des Auftretens
ab, verteilt sie und setzt sie in neue Bewe-
gung um. Angesichts der Kräfte, die auf Mus-
keln, Bänder und Knochen des Fußes wirken,
wird schon dem Sportler Talent attestiert, der
dieser Materialtestung standhalten kann: Bei
Sprüngen wirkt das Vier- bis Fünffache des
Körpergewichts auf den Fuß, beim Laufen
immer noch das Dreifache.
Das „Talent“, das diese Tortur auf Dauer
aushält, kann auf fester Grundlage bauen.
Sechsundzwanzig Knochen bilden die Basis
des Fußes. Eine noch höhere Zahl von Gelen-
ken, Kapseln, Sehnen und Muskeln formt ein
Längs- und gleichzeitig ein Quergewölbe.
Diese Konstruktion ist für die Elastizität des
gesunden Fußes verantwortlich. Fettpolster
unterstützen die dämpfenden Eigenschaften
der bodennächsten Extremität. Alle absor-
bierenden und dynamischen Eigenschaften
der Fußarchitektur funktionieren im Nor-
malfall erstaunlich störungsfrei. Bis zu einer
bestimmten Grenze. Dann muss auch das
Elastizitätswunder Fuß seiner exponierten
Stellung Rechnung tragen: Überlastungs-
beschwerden – auch an der Achillessehne
– sind die Folge.
Achtzig Kilometer pro Woche
sind genug
„Die Belastungsgrenze fällt individuell
höchst unterschiedlich aus“, erklärt PD Dr.
Martin Engelhardt, Chefarzt der Orthopädie
an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und
Handchirurgie des Klinikums Osnabrück.
Der Sportmediziner war Leitender Orthopä-
de der deutschen Olympiamannschaft. Was
Dr. Engelhardt mit individuellen Unter-
schieden meint, leuchtet ein, ist jedoch
in der Praxis schwierig festzustellen. In
welchem Trainingszustand befindet sich
der Patient? Welche Vorschädigungen sind
bisher aufgetreten? Gibt es anatomische
Besonderheiten? Diese Fragen gilt es nicht
nur in Hinblick auf Belastungsgrenzen zu
beantworten, sondern auch für eine exakte
Diagnose der Überlastungsbeschwerden.
„Wichtig ist auch die konstitutionelle Verfas-
sung, mit der ich anfange“, beginnt der Arzt.
„Die Frage des Ausgangsniveaus. Wenn ich
vorher sportlich nicht aktiv war, reicht eine
geringe Belastungssituation aus, um eine
Verletzung zu provozieren.“ Ein Dilemma der
Moderne tritt zutage: Wir wollen, können
aber nicht! Zumindest nicht sofort. Anders
beim Leistungssportler. Hier sind viel höhere
Belastungsreize und Belastungsumfänge für
Beschwerden verantwortlich. Der Sportme-
diziner, selbst Triathlet, weiter: „Knochen,
Sehnen und Bänder brauchen Zeit, um sich
an erhöhte Anforderungen anzupassen.“ Die
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Martin Engelhardt ist selbst Triathlet.