Seite 13 - Bauerfeind life

life
magazin 2/2013
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Der Vorstandsvorsitzende Prof. Hans B. Bauerfeind über die
Entwicklung der neuen Rückenplattform.
Blick über den Tellerrand
Das System Spinova
scheidend ist, gilt es im Laufe der Therapie,
den Patienten schrittweise zu mobilisieren.
Dafür können die stabilisierenden Elemente
entfernt werden. An dieser Stelle spielt die
Mehrstufigkeit der Orthesen ihren entschei-
denden Vorteil aus: Die Abrüstbarkeit gibt
dem Patienten die Freiheit, sich im Alltag
wieder normal zu bewegen. Extrembelastun-
gen werden durch die mechanische Stabili-
sierung vermieden. Anderenfalls würde der
Patient aus Angst vor unbedachten, schmerz­
auslösenden Bewegungen seine Mobilität
komplett oder weitestgehend einschränken.
Gelingt die Abrüstbarkeit sogar im Verbund
mit einer individuellen Stabilisierung ein-
zelner Segmente, wäre ein neues Niveau der
Wirbelsäulentherapie erreicht.
Der zeitliche Vorlauf war immens. In die
Weiterentwicklung der neuen Rückenplatt-
form wurden von Bauerfeind neben Prof.
Harms schon frühzeitig alle relevanten Be-
rufsgruppen einbezogen. Kein Aspekt durfte
unberücksichtigt bleiben, wollte man die
Gültigkeit des neuen Systems für die Zukunft
gewährleisten.
Bei Spinova ist die Mobilisierung noch
konsequenter gelungen.“
Das Ergebnis liegt nun vor: Spinova. Mit
diesem Namen soll sich die mehrstufige
Wirbelsäulentherapie für den unteren
Rücken in den kommenden Jahren unlösbar
verknüpfen. „Ein weiterer Meilenstein für
die frühfunktionelle Therapie“, bilanziert
Prof. Harms schon nach den ersten Ergeb-
nissen aus verschiedenen Anwendungsbe-
obachtungen (siehe Interviews). Als Träger
der insgesamt vier neuen Orthesen werden
funktionelle Elemente eingesetzt, die in
Kombinationsvarianten wiederkehren (siehe
Produktübersicht Seite 14). Über das gesam-
te System sind Grundbandage, Zuggurtsys-
tem, Bauchverschluss, Rückenkassette sowie
Schale identisch. Neue, leichte Materialien
haben sich in fast allen Bauteilen durchge-
setzt. Durch das neue Zuggurtsystem können
einzelne Regionen der Wirbelsäule, die
Segmente, gezielt stabilisiert und entlastet
werden. Diese individuelle Anpassungsmög-
lichkeit ist ein entscheidendes Charakte-
ristikum der Plattform – und natürlich die
Mobilisierung. „Bei Spinova ist sie noch
konsequenter gelungen als bisher“, freut
sich ihr geistiger Vater. Ein Endpunkt?
Prof. Harms zögert. Für eine schnelle Ant-
wort hat er in der Hilfsmittelentwicklung
schon zu viel erlebt. „Eine Plattform ist erst
einmal ein Niveau, das man erreicht hat“,
sagt er dann. „Aber eine Plattform ist immer
auch offen für Neues.“
Was bedeutet Spinova?
Vom Wortsinn her gilt „nomen est omen“ –
wir reden hier über eine völlig neue Gene-
ration von Produkten für die Wirbelsäule.
Daher „Spin“ für Wirbelsäule und „nova“
für neu. Doch damit ist die Bedeutung
nicht vollständig umrissen.
Das Entscheidende für Ärzte, Patienten
und Fachhändler ist: Die vier Produkte
folgen einem System und können in einem
bisher nie dagewesenen Maß an die indivi-
duellen Bedürfnisse ihrer Träger angepasst
werden, sei es nun in der konservativen
oder postoperativen Therapie. Basis dafür
sind immer wiederkehrende, variabel ein-
setzbare Funktionseinheiten an allen vier
Orthesen. Das Ergebnis ist, dass Spinova
fast alle Indikationen im Lendenwirbel­
säulenbereich abdeckt.
Was stand im Mittelpunkt der Entwicklung?
Der Therapieerfolg! Rückenschmerzen
gehören weltweit zu den großen Volkslei-
den. Millionen Deutsche sind ernsthaft
betroffen. Aufgabe in der Entwicklung war,
ein Orthesensystem zu entwickeln, das
hinsichtlich Wirksamkeit und Tragekomfort
Maßstäbe setzt. Die Handhabung der neuen
Produkte sollte trotz ihres komplexen Auf-
baus möglichst einfach sein. Am Ende muss
nämlich der Patient die Orthese als Hilfsmit-
tel akzeptieren – und sie regelmäßig tragen.
Das tut er nur, wenn das Produkt ordentlich
sitzt und wenn er spürt, wie die Orthese
wirkt. Um dieses Ziel zu erreichen, waren wir
auch offen für neue Wege. Wir haben noch
mehr als bisher über den Tellerrand geschaut
auf der Suche nach modernen Materialien
und entsprechenden Technologien für deren
Verarbeitung. Permanent einbezogen in den
Entwicklungsprozess waren Rückenexperten
in Kliniken und Praxen und Partner im Fach-
handel. Dabei galt: Erst, wenn alle Beteilig-
ten mit dem Ergebnis zufrieden sind, kommt
das Produkt auf den Markt. Im Fall Spinova
waren das vier Jahre intensive Arbeit.
Wie oft waren Sie kurz davor, das Projekt
einzustellen?
Nie, aber natürlich brauchten Forschung und
Entwicklung einen langen Atem. Die Welt ist
komplexer und bietet unendliche Möglich-
keiten. Da passt eine Neuentwicklung nicht
mehr auf eine kleine Serviette.
Prof. Hans B. Bauerfeind spricht über die nächste Generation von Lumbalorthesen.
Fokus