Seite 12 - Bauerfeind life

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life
magazin 2/2013
Bilder: Conny Kurz, Bauerfeind
Bei aller mahnenden Statistik fehlt
allerdings oft ein genauer Blick auf den Ein-
zelfall. „Sicher sind die Zahlen alle korrekt“,
sagt Prof. Dr. med. Jürgen Harms von der
Ethianum Klinik in Heidelberg, „aber Rücken-
schmerzen gehören zu unserem Leben dazu,
wie andere Beschwerden auch.“ Unterstützt
durch Bewegung, medizinische Hilfsmittel
und Physiotherapie ließen sich viele dieser
Beschwerden im Laufe der Zeit wieder in den
Griff kriegen, so der international bekannte
Wirbelsäulenexperte. Eine Einordnung, die
neben den aufgeladenen Rückenschlagzeilen
guttut. „Man muss eben genau hinschauen,
worüber man spricht.“ Das weiß der früher
im Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
praktizierende Orthopäde zur Genüge, in
mehrfacher Hinsicht: Als Chirurg hat er weg-
weisende Operationsverfahren entwickelt, als
Patient diese am eigenen Rücken erfahren.
Zu rund 70 Prozent sei bei Rückenbeschwer-
den der Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS)
betroffen, sagt Prof. Harms. Und er sagt
auch durchaus selbstkritisch: „Es wurde und
wird zu viel operiert. Mit einer konservati-
ven Therapie erreichen wir auch sehr gute
Behandlungs­erfolge ohne die Risiken einer
OP.“ Wie lässt sich Patienten mit Bandschei-
benproblemen, Hexenschuss, Lumbalgien,
Wirbelgleiten oder Frakturen, um nur die
wichtigsten LWS-Brennpunkte zu nennen,
adäquat helfen?
Das Prinzip der mehrstufigen
Rückenorthesen
Um Mittel an die Hand zu bekommen, die
sowohl postoperativ als auch konservativ
anwendbar sind, hat Prof. Harms selbst die
Entwicklung von Bauerfeind-Orthesen un-
terstützt. Diese Orthesen sollten eines nicht
mehr sein: Panzer! Eine weitere Anforderung
lag dem Rückenexperten am Herzen, nämlich
die frühe Mobilisierung des Patienten. Dazu
mussten die neu zu entwickelnden Hilfsmit-
tel ein Kunststück vollführen: die Vereini-
gung von Stabilität in der Akutphase sowie
Mobilität im Therapieverlauf, erzielt durch
einen abrüstbaren Aufbau. Dieses flexible
Bauprinzip, das Bauerfeind als erster Herstel-
ler in den Orthesen SofTec Lumbo und SofTec
Dorso umsetzte, geht maßgeblich auf die
Person Harms zurück. Ein Ausruhen auf den
unbestrittenen Vorteilen dieser modernen
Rückenorthesen kam jedoch weder für Harms
noch für Bauerfeind infrage. Die nächste
Orthesengeneration drängte bereits. Mehr
und mehr nahm die Idee einer „Plattform“
Gestalt an. Von ihr ausgehend, könnten noch
individuellere Wege in der Therapie von
LWS-Beschwerden eingeschlagen werden, so
die Überlegung. Um dieses Ziel zu erreichen,
sollte das Erfolgsrezept der Mehrstufigkeit,
wenn möglich, ausgebaut werden.
Bewährtes Therapiekonzept
Weithin herrscht Einigkeit über die medizi-
nischen und wirtschaftlichen Vorteile einer
mehrstufigen orthetischen Wirbelsäulen-
therapie. Die positiven Erfahrungen von
Orthopäden, Orthopädietechnikern und Kran-
kenkassen in der Anwendung der Orthesen
sprechen für sich. In der Akutphase gelten
Entlastung und Stabilisierung als oberstes
Gebot zur Schmerzlinderung. Die Orthesen
kommen zum Teil in Kombination mit Medi-
kamenten zum Einsatz, um die mechanische,
schmerzauslösende Belastung der betroffe-
nen Wirbelsäulenregion zu reduzieren. Eine
rasche Schmerzlinderung und erhöhte Bewe-
gungssicherheit ermöglichen den zeitigen
Beginn therapeutischer Maßnahmen sowie
die eigenständige schrittweise Mobilisierung
des Patienten. Während in der Akutphase das
Stabilisieren des erkrankten Abschnitts ent-
Bei Spinova ist die Mobili-
sierung noch konsequenter
gelungen. Ein weiterer
Meilenstein für die früh-
funktionelle Therapie.“
Wirbelsäulenexperte Prof. Dr. med. Jürgen Harms, Ethianum Klinik Heidelberg.
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