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magazin 1/2012
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nur kurzfristig, deutlich weniger belastend
wirkt“, weiß Prof. Zieglgänsberger.
Die Wiedergeburt
Nicole Woysch wusste erst einmal nicht,
woran sie mit ihrem Schmerz war. „Beim
Laufen habe ich nur darauf gewartet, dass er
wieder auftaucht. Natürlich kam er prompt.“
Die eigentliche Ursache ihrer Beschwerden
war ein neuronales Überlastungssyndrom,
ausgehend vom Übergang des Sacrums zum
LW 5, eine bekannte „Achillesferse“ bei
Läufern. Der Umschwung für die 35-Jäh-
rige kam an einem Tag im August 2011.
Zum Glück war ein wichtiger Mann in ihrem
Leben rechtzeitig zur Stelle (siehe Interview
S. 16 f.): Ihr Ehemann und gleichzeitig ihr
Physiotherapeut Jan Woysch erhielt drei
Tage vor einem Wettkampf ein Päckchen.
Der Inhalt: die Rückenorthese SacroLoc.
„Ich habe mich förmlich draufgeschmissen,
meine letzte Hoffnung“, erinnert sich Nicole
Woysch an diesen Tag. Auch die Erinnerung
an den Zieleinlauf, 72 Stunden später, wird
sie so schnell nicht vergessen: „Es war
meine Wiedergeburt als Triathletin. Ich habe
getanzt im Ziel. Während des Laufs spürte
ich ständig in mich hinein und ich spürte
als Erster formuliert hat. „Früher dachten
alle, Schmerz sei nur Information über eine
Verletzung. Je schwerer, desto stärker der
Schmerz. Aber so einfach ist es nicht“, stellt
der Arzt klar. Schmerz werde von vielen
Faktoren beeinflusst. Das Gespräch mit
einem Arzt wirke vielfach schon schmerz-
reduzierend. Das sei durch Messung der
Hirnaktivität nachzuweisen. „Das Problem
sind gar nicht so sehr die großen, akuten
Schmerzen“, betont Prof. Zieglgänsberger,
„die kriegt man mit Medikamenten oder
körpereigenen Systemen (z. B. Endorphinen)
recht gut in den Griff. Die kleinen, stetigen,
nörgelnden, die sind das Problem.“
Die chronischen Schmerzen. Die sich dem
Gehirn einprägen. Sich selbst verstärkend:
Anhaltende Schmerzreize lassen das Über-
tragungssystem so effektiv werden, dass
schon ein kleinster Reiz oder ein ganz ande-
rer Impuls ausreicht, um Schmerzen auszulö-
sen. Auch Angst könne ein solcher Auslöser
sein, so der Experte. Angst, dass der Schmerz
wiederkommt. Gegen diesen heimtückischen
und auch wirtschaftlich äußerst schädlichen
Wiedergänger helfe nur eine multimodale
Therapie. Das hat auch der Ende des Jahres
2011 veröffentlichte „Versorgungsatlas
Schmerz“, ein Gemeinschaftswerk von
Industrie und Krankenkassen, bestätigt. Der
multimodale Ansatz könne ganz verschie-
dene Strategien beinhalten: ein schönes
Konzerterlebnis, Medikamente, Bewegung,
Physiotherapie oder auch den Einsatz von
orthopädischen Hilfsmitteln. „Entscheidend
ist, dass der Schmerz, wenn auch anfangs
– nichts! Der Schmerz war weg.“ Da wurde
der Sieg fast schon zur Nebensache. Nach
dieser fast unglaublichen Erfahrung trägt
Nicole Woysch die Rückenorthese immer
noch bei jedem Training oder Lauf, direkt auf
ihrem Einteiler. „Sie stört mich überhaupt
nicht. Ich kann wie gewohnt meinen Schritt
ziehen“, freut sie sich.
Jetzt kommt es darauf an, dass die Triathle-
tin schmerzfrei bleibt. Sie muss den Schmerz
„verlernen“, indem sie weiterhin multimodal
arbeitet. „Da haben wir als Therapeuten in
der Vergangenheit Fehler gemacht“, bekennt
Prof. Zieglgänsberger. „Sobald die Patienten
schmerzfrei waren, ließen wir sie häufig
allein.“ Bei Nicole Woysch seien da ihr Mann
und die SacroLoc vor! Ganz wird es ihnen
nicht gelingen, das Schmerzgedächtnis zu
löschen. „Es gibt im Gehirn keine Taste, die
alles auf Anfang setzt“, sagt der Forscher,
der im Laufe seines Wissenschaftlerlebens
schon viele Vorstellungen vom Gehirn kom-
men und gehen sah. „Wenn aber dieser so
zerstörerische chronische Schmerz weg-
bleibt, haben wir unser Ziel erreicht. Anders
als den Akutschmerz, ohne den menschli-
ches Leben nicht denkbar ist, braucht den
chronischen Schmerz kein Mensch!“
Nicole Woysch beim Zieleinlauf des Ostseeman 2011: „Es war meine Wiedergeburt als Triathletin.“
FoKus
Weitere Informationen
zum Versorgungsatlas Schmerz unter
www.grunenthal.de,
Menüpunkt „Engagement“, „Initiativen“, „Projekt Versorgungsatlas
Schmerz“.